Leere Fassaden und ein Ich in der Leere

Ich denke darüber nach, ob Menschen mit der verordneten Covid19-Isolation besser klarkommen, wenn sie auch sonst schon gern zu Hause sind und entsprechend eingerichtet. Gestern war #Depression bei Twitter im Trend. Es gibt ja doch viele Menschen, die quasi mit der Miete ein Dach über dem Kopf bezahlen und einen Ort, wo sie sind, wenn es mal regnet, aber sonst ständig ‘draußen’ sind, bei anderen oder nie allein.

Ich bin ja ein Zuhause-Mensch und deswegen darauf eingerichtet viel zu Hause zu sein, weil ich ja auch permanent von hier aus arbeite. Ich habe neben meinem Atelier und dem Büro, Bücher, Musik-Equipment, Farben, Papier, eine funktionierende Küche, mein Rauchwerk usw. usf. alles hier. Aber ich kann mir gut vorstellen, wie Menschen jetzt leiden, die es gewohnt sind, alles ausserhalb der eigenen vier Wände zu haben und nutzen.

Hier ist der Trend zum Minimalismus, zur Externalisierung des Ich in der Vorzeigewohnung, die wie leere Fassaden ein Trugbild von Wohnen gaukeln, wohl eher hinderlich.

Aber ist das Leben in einer Quarantäne überhaupt eine zeitgemäß bewältigbare Forderung an die Gesellschaft? War es das schonmal? Die Regierung sagt: ja, das ist Bürgerpflicht! Man sollte bspw. 10 Tage Vorräte vorhalten inkl. Trinkwasservorrat(!). Gleichzeitig macht sie es vielenorts gleichermaßen unmöglich. Nehmen wir die Ballungsräume der Städte. Wie soll man in einer 40qm Wohnung dauerhaft einen 10 Tage Vorrat inkl. Wasser vorhalten können? Ist es verantwortbar, dass die Regierung zwar sagt, dass es keine Engpässe bei der Versorgung geben wird, aber eigentlich gar nicht in der Lage ist, das Versprechen selber einzulösen, wie man an einem 1€ Artikel Papier-Gesichtsmaske sehen kann? Die Produktion solcher Güter wurde komplett an Billiglohnländer abgegeben und wir bedingungslos abhängig gemacht.

So gäbe es ja durchaus die Möglichkeit, ungenutzte Bunker (von denen es in Hamburg mehr als genug mitten in der Stadt gibt) als Quartier-Lager zu nutzen oder auch leerstehende Bürogebäude, genauso andere in staatlichem Besitz oder von steuerlichen Geldern finanzierten Gebäuden Lager für bspw. medizinisches Equipment einzurichten. Ja das kostet nen Euro extra, aber ob das teurer wäre, als jetzt Notkäufe zu tätigen und das in Zeiten in denen die Kassen voll sind? Waren muss man jetzt ja wohl sagen.

Die Ruhe und Gewissheit zu vermitteln, dass alles da ist, wäre doch unbezahlbar für das Vertrauen in eine Regierung/Partei? Anstatt leerer Regale in Supermärkten, Panik vor Itensivbettenmangel und früh verbreiteter Hysterie.

Ich bin der Ansicht, dass die Krise Schwächen offenbart, an der sich unsere Gesellschaft über die großen Fragen der Rezession, der Sanierung des Gesundheitssystems und der Geldbeschaffung hinaus wird messen und restrukturieren müssen.

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